Mark und Metropole

Es gilt, mental und tatsächlich die Zusammengehörigkeit zwischen Berlin und Brandenburg voranzubringen, nicht zuletzt im Sinne einer Leistungspartnerschaft. Wie können Interdependenzen zwischen Berlin und seiner umgebenden Region Beiträge zur regionalen...

Es gilt, mental und tatsächlich die Zusammengehörigkeit zwischen Berlin und Brandenburg voranzubringen, nicht zuletzt im Sinne einer Leistungspartnerschaft. Wie können Interdependenzen zwischen Berlin und seiner umgebenden Region Beiträge zur regionalen Entwicklung leisten?

Das Stadtgespräch sieht es als besondere Chance an, die regionalen Kreisläufe im Hinblick auf eine nachhaltige und identitätsfördernde Entwicklung zu stärken. Die regionale Zusammenarbeit der Hauptstadt mit der Region ist bislang institutionell unterentwickelt und von sehr schwacher demokratischer Legitimation. Es überwiegen Abgrenzungen gegenüber dem Bewusstsein gemeinsamer Zugehörigkeit. Zweifellos ist dies historisch begründet und kann sich nur schrittweise verändern. Hemmend wirkt sich zudem die Realität zweier Bundesländer aus, die eine institutionelle Zusammenarbeit gegenüber kommunalen Verbünden erheblich erschweren. Ziel des Stadtgesprächs ist es, die in der Hauptstadt und der sie umgebenden Region vorhandenen Potentiale so zu nutzen und auszubauen, dass mindestens in Teilbereichen regionale Kreisläufe und damit gleichzeitig das Gefühl des im Positiven aufeinander Angewiesen-Seins die “Leistungspartnerschaft” gestärkt wird. Vereinfacht: der Neuköllner braucht den Barnim und die Bernauerin die Berliner Märkte.

Drei potenzielle Kooperationsfelder wurden dazu von der Arbeitsgruppe identifiziert:

  • Ernährung (insbesondere Förderung lokaler Kreisläufe)Bei den Bereichen, in denen die Kooperation intensiviert werden soll, geht es darum, die vorhandenen wissenschaftlichen, technischen, landwirtschaftlichen oder naturräumlichen Stärken zu nutzen und zum Wohle der Region synergetisch zusammenwirken zu lassen.Ein regionales Netz von Produktion, Verarbeitung und Vermarktung ist bisher im Nahrungsmittelsektor nur schwach vorhanden. Dabei sind die Voraussetzungen dafür ausgesprochen gut. Brandenburg hat die Potentiale große Teile der Ernährung Berlins abzudecken, in Berlin bieten kleinere Märkte und große Lebensmittelketten mehr und mehr Möglichkeiten regionale Produkte zu vermarkten. Diese Voraussetzungen ergeben hervorragende Chancen, um mehr wirtschaftliches Leben in ländliche Räume zu bringen, Kleinbetriebe zu stärken, die für ihre Existenz auf regionale Absatzwege angewiesen sind, lebendige und im Wortsinn sinnliche Beziehung von Menschen zu ihrer Region zu stärken und aufgrund der Vermeidung langer Transportwege positive Umwelteffekte zu erzielen.Insbesondere in der Förderung regionaler Kreisläufe im Ernährungssektor will die zur Zeit in Gründung befindliche Allianz “Mark und Metropole” Impulse geben. Das Abgeordnetenhaus hat im Übrigen 2006 als Ziel beschlossen, den Anteil der regional bezogenen Lebensmittel in Berlin bis 2020 auf ein Drittel zu steigern.
  • Berlin-Brandenburg setzt auf Erneuerbare EnergieDie Region bietet wissenschaftlich-technisch und unternehmerisch hervorragende Bedingungen, um den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben. Die Umstellung der Energieversorgung auf regenerative Energieträger ist für Berlin und Brandenburg essentiell, wie Untersuchungen im Auftrag des Abgeordnetenhauses 2001 ergaben.
    Der ökologische Fußabdruck nimmt alleine für Berlin 150000qkm in Anspruch, das Fünffache der gemeinsamen Landesfläche. 

    “Stadt und Land” können im entschiedenen Ausbau Erneuerbarer Energieerzeugung, bei zugleich gezielter Stärkung der Energieeffizienz, in vielfacher Hinsicht konstruktiv zusammenarbeiten. Die Ausweitung der Windkraftnutzung, schon jetzt Quelle von rund 30% des Stroms in Brandenburg, kann durch gemeinsame Aktivität weitere Impulse erhalten. Hier können in nächster Zeit wahrscheinlich auch verdichtete Stadträume durch siedlungsverträgliche vertikale Windanlagen auf Dächern beitragen. Die Zunahme von PV- und Solarwärmeanlagen auf ländlichen Gebäuden und teilweise Feldern ist schon gegenwärtig auffallend gut und kann durch bessere Ausnutzung der Förderung und der bestehenden Einspeisevergütung deutlich beschleunigt werden. Die verdichtete Stadt hat hier mit ihren Dachflächen ebenfalls ein großes Potential. Biogas im umweltverträglichen Anbau und unter Nutzung von Reststoffen und Bio-Abfall ist eindeutig eine Zukunftsperspektive vor allem für die Landwirtschaft. Das Potential der Geothermie bedarf noch der Exploration (auch ein gemeinsames Projekt). Außerdem können gemeinsame und abgestimmte Aktivitäten für eine Verringerung der Energienutzung den Umbau von Berlin-Brandenburg zu einer Region unterstützen.

  • Landschaftsumbau und Hebung gemeinsamer Potenziale (z.B. auch im Bereich Wasser)Das Thema “Wasser” wird mit unterschiedlichen Gesichtspunkten in einer gesonderten Arbeitsgruppe diskutiert (siehe: Wasser in Berlin). Insbesondere im Hinlick auf die regionale Zusammenarbeit könnten weitere Aspekte thematisiert werden:
    • Eine bewusste Neugestaltung der Landschaften könnte zum Erhalt oder zur Rückgewinnung wertvoller Naturlandschaften beitragen, die nicht zuletzt regionale Trinkwasserversorgung langfristig stabilisieren und gleichzeitig die Erholungsfunktion der Region stärken würde. Umgekehrt könnte man überlegen, wie die in Berlin so ausgeprägten Kulturangebote für die Menschen der Mark besser zugänglich und erreichbar gemacht werden können, sodass Austausch und Synergien in beide Richtungen entstehen.
    • Berlin-Brandenburg ist eine an Oberflächengewässern reiche, doch dank seiner leicht kontinentalen Lage an Regen und damit an Wasser eher arme Region. Mit dem prognostizierten weiteren Rückgang der Niederschläge drohen weite Gebiete auszudörren – zum Schaden der Landwirtschaft, möglicherweise auch zum Nachteil der Trinkwasserversorgung und sicher der landschaftlichen Attraktivität. Hinzu kommt eine sich schleichend verschärfende chronische Wasserkrise im Hauptzufluss, der Spree, bedingt sich den anhaltend massiven Kohleabbau in der Lausitz.Sinnvolle Gegenmaßnahmen, die auch zur landschaftlichen Aufwertung führen, könnten beinhalten, die seit der Neuzeit entwickelten und auch in jüngerer Zeit fortgesetzten Entwässerungen großen Stils rückgängig zu machen sowie die Wiedereinleitung geklärter Abwässer in Landschaften statt in Flüsse umzusetzen.